Alles ziemlich analog!

Ich bin ehrlich überrascht. Überrascht darüber, dass sich die Welt stetig weiterentwickelt, alles digitaler wird, soziale Medien wie Facebook, Twitter, Instagram, usw. omnipräsent sind und trotz allem der Wahlkampf – um einen Platz in der Schulbehörde – bei all meinen Mitstreitern völlig analog abläuft. Ich stelle das nicht in Frage oder wage es zu kritisieren. Mit Zeitungsartikeln, Flugblättern in Briefkästen, Inseraten und Leserbriefen erreicht man in der Tat viele Leute! Und trotzdem erlaube ich mir selbst die Frage zu stellen: „Ist denn das noch zeitgemäss?“ 

Ich für meinen Teil finde die Nutzung von sozialen Medien absolut sinnvoll. Sie entspricht dem Puls unserer Zeit, ist kostengünstig und lässt – was ich persönlich sehr wichtig finde – direkte Interaktionen zu. Wer über einen Beitrag diskutieren möchte, kann das jederzeit tun. Wer etwas gut oder schlecht findet, kann das bekunden oder mit seinem direkten Umfeld teilen. Natürlich gibt es auch Gefahren. Wer aber mit den sozialen Medien, genau wie im realen Leben, gewisse Anstandsregeln beachtet, hat wenig zu befürchten.

Wie ich es schon bei meiner Vorstellung am Podium erwähnt habe, kann ich es nur nochmals betonen: All meine Mitkandidaten bringen in Bezug auf Schulthemen wesentlich mehr Erfahrung mit als ich. Aber egal wie die Wahl verläuft, die viele Erfahrung bleibt ohnehin erhalten. Es stellt sich mir deshalb die Frage, würde etwas Aussensicht und Neutralität im Umgang mit Fragen rund um die Schule dieser Behörde nicht gut tun? Jemand der etwas anders denkt, sich etwas anders Verhält und für die Bevölkerung durch die Präsenz in den sozialen Medien auch etwas zugänglicher ist? Ich werde die Schule nicht revolutionieren, das kann ich nicht und habe ich auch nicht vor. Aber ich möchte gerne das Behördenmitglied sein, welches vom Kollektiv lernt, dem aber auch noch etwas beibringen kann.

Ihr, geschätzte Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, habt am 12. Februar die Wahl, ich freue mich darauf.

 

Ein Gedanke zu „Alles ziemlich analog!

  1. René Brändle

    Ich sehe das anders und frage vorab mal rhetorisch worin sich die analoge und die digitale Wahlwerbung unterscheiden. Dabei komme ich beim vorliegenden Beispiel nur auf einen einzigen Punkt: Auch jene Amriswiler, die dort nicht mehr stimmberechtigt sind, werden über Facebook und Co. mit Wahlwerbung eingedeckt.
    In Verbindung mit Wahlwerbung habe ich mich längst daran gewöhnt, dass dort irgendwelche Köpfe – meist mit bearbeiteten Bildern – prangen, die alle aus demselben Studio zu kommen scheinen. Ergänzt werden diese situativ mit einem Parteilogo, in jedem Fall aber mit einem Spruch und oft vermeintlichen Eigenschaften der Person. Alle bringen „Erfahrung“ mit , wollen entweder „Kontinuität“ oder „frischen Wind“, haben „kreative Ideen“ und sind „zuverlässig“, „engagiert“ und „aufrichtig“ usw. usw. Aussagekraft ist dabei chronisch NULL und indem diese Plattitüden auch noch digital verbreitet werden, ändert sich daran auch nichts. Abgesehen vom nächsten Umfeld der Kandidatinnen und Kandidaten kennt sie nämlich niemand wirklich.
    „Podiumsdiskussionen und Kandidatenvorstellungen“. Bei Diskussionen wird sich selten ein Kandidat exponieren und das andere sind eben „Vorstellungen“. Oft vergleichbar mit einem Laientheater bei welchem die Personen eine Rolle spielen. Ich war kürzlich an einer solchen Veranstaltung in jener Gemeinde, in welcher ich wählen darf:
    Da stand die Aussage: „ich wurde angefragt, ob ich in die Schulbehörde gehen würde“ zu „ich bin motiviert und engagiert“ doch in einem gewissen Spannungsverhältnis. Bei anderer Gelegenheit wurde erklärt „als Lehrer bin ich vom Fach“, was ich nicht zwingend als Qualifikation für die Behörde sehe. Andere verglichen den Job in der Behörde mit ihrem in der Privatwirtschaft, was in aller Regel auch nur funktioniert, wenn dort die Vorgaben zu Inhalt (Lehrplan), Buchhaltung (HRM2) und Budget amtsmässig organisierter Stelle kommen und das Finanzielle vom Stimmbürger über das Budget geregelt wird.

    Ob digital oder analog – wenn eine Kandidatin oder ein Kandidat nicht nur angeblich positive Eigenschaften aufzählt sondern zu Ecken und Kanten steht, ergäbe das ein menschliches Profil, welches zumindest bei mir sehr gut ankäme. Ebenso brächten mich konkrete Aussagen darüber, dass ein Kandidat oder eine Kandidatin einen Spielraum in der Behördenstruktur erkannt hat, diesen benennt und aufzeigt, für welche konkreten Ziele sie/er diesen nutzen will, eher dazu die Persönlichkeit (nicht einfach nur eine Person) zu wählen.

    Wahlen zunehmend digitalisieren zu wollen, um auf Ihr Thema zurück zu kommen, stellt aus meiner Sicht keine Verbesserung dar. Bei Wahlen geht es um Persönlichkeiten welche die Zukunft von Menschen, hier konkret der Schülerinnen und Schüler beeinflussen. Es geht nicht darum eine PC zu wählen, welcher die geschönte Selbstdarstellung einer Person präsentiert. Und trotz ihrer jungen Geschichte hat die Digitalisierung längst gezeigt, dass weder Stimme noch Mimik hat, Distanz zwischen Menschen schafft, anonymisiert, die Realität in den Hintergrund drückt und auch Abgründe öffnet.

    Für meinen Teil werde ich es zu vermeiden, statt Persönlichkeiten – auch und vor allem auch mit Ecken und Kanten – irgendwelche digitalen Darstellungen zu wählen. Zudem sollten sich Kandidatinnen und Kandidaten überlegen, ob Sie menschliche Persönlichkeiten sind, welche sich für andere Menschen einsetzen wollen, oder ob sie nur mehr als ein Bild bestehend aus Nullen und Einsen wahrgenommen werden wollen.

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